Hansaglas Richtlinie – Visuelle Beurteilung von dekorierten ESG-Gläsern
Gültig für Emaille, Siebdruck, Digitaldruck, Sandstrahlung und Ätzung
1. Zweck der Richtlinie
Diese Richtlinie beschreibt, wie Hansaglas die optische Qualität von dekorierten ESG- und TVG-Gläsern bewertet. Die Inhalte basieren auf den technischen Grundlagen des BF-Merkblatts 015/2013 (Bundesverband Flachglas). Sie wurden so angepasst, dass sie für alle gängigen Veredelungsverfahren gelten.
2. Geltungsbereich
Die Vorgaben gelten für:
- keramische Emaille
- Siebdruck
- Digitaldruck
- Sandstrahlung / Mattierung
- chemische Mattierung / Ätzung
Die Prüfung erfolgt grundsätzlich durch das Glas auf die dekorierte Oberfläche.
3. Prüfbedingungen
- Abstand: 1 Meter
- Betrachtungsrichtung: senkrecht (max. 30° Abweichung)
- Licht: diffuses Tageslicht, kein direktes Sonnenlicht
- Hintergrund: einfarbig und opak
- Keine Makroaufnahmen, kein Zoom, keine makroskopische Inspektion
4. Bewertungstabellen
4.1 Punkt- und Fehlstellen
| Merkmal |
Zulässigkeit |
Hinweis |
| Punktfehler ≤ 0,5 mm |
zulässig |
fertigungsbedingt (Pinholes) |
| 0,5–1,0 mm |
max. 3 Stück/m² |
Abstand ≥ 100 mm |
| 1,0–2,0 mm |
max. 2 pro Scheibe |
|
| Haarkratzer & eingebrannte Partikel |
bis 10 mm |
zulässig |
4.2 Flächen- und Strukturmerkmale
| Merkmal |
Zulässig |
Anmerkung |
| leichte Streifen (Druckrichtung) |
ja |
Siebdruck / Digitaldruck |
| Schleierstellen |
ja |
wenn aus 1 m nicht dominant |
| Wolkigkeit |
ja |
typisch bei Mattierung |
| Moiré-Effekte |
abhängig vom Motiv |
vorher bemustern |
4.3 Kanten- und Randzonen
| Verfahren |
Typische Erscheinung |
Zulässigkeit |
| Siebdruck |
farbfrei bis ca. 2 mm |
zulässig |
| Digitaldruck |
leichte Randwulst |
zulässig |
| Emaille (Walze/Gießverfahren) |
Farbüberschlag möglich |
abhängig von sichtbaren Kanten |
| Sandstrahlung / Ätzung |
matte Übergangszone |
technisch unvermeidbar |
4.4 Lage- und Designtoleranzen
| Scheibengröße |
Positionstoleranz |
| ≤ 2000 mm |
± 2 mm |
| 2000–3000 mm |
± 3 mm |
| > 3000 mm |
± 4 mm |
| Motivgröße |
Formtoleranz |
| bis 30 mm |
± 0,8 mm |
| bis 100 mm |
± 1,0 mm |
| bis 500 mm |
± 1,2 mm |
| bis 1000 mm |
± 2,0 mm |
| > 1000 mm |
± 3,0 mm |
4.5 Farbabweichungen
| Materialbasis |
ΔE* |
| Floatglas |
≤ 5 |
| Weißglas |
≤ 4 |
5. Skizzen (technisch vereinfachte Darstellungen)
5.1 Betrachtungssituation
Betrachter
|
| Abstand 1 m
v
------------------------ ← Glasoberfläche
| |
| ESG-Glas |
| (durch das Glas) |
------------------------
Dekorseite
5.2 Positionstoleranz – Beispiel
+-----------------------------------+
| |
| Motivbreite = b |
| <----------- > |
| |
| a = Abstand Motiv zur Kante |
| |
+-----------------------------------+
Toleranz:
a ± 2–4 mm je nach Scheibengröße
b entsprechend Motivgröße
5.3 Randzonen
Siebdruck / Digitaldruck:
|-----------------------------|
| farbfrei 0–2 mm |
|-----------------------------|
Sandstrahlung / Ätzung:
|-----------------------------|
| matte Übergangszone 1–3 mm |
|-----------------------------|
6. Hinweise bei Hinterleuchtung
- verstärkte Wolkigkeit möglich
- Klebstoffe / Dichtstoffe können durchscheinen
- Farbton kann sich sichtbar verändern
- Kontraste zwischen matten und klaren Flächen stärker
Für Lichtanwendungen empfehlen wir ein 1:1-Muster.
7. Informationen, die wir für die Produktion benötigen
- Innen- oder Außenanwendung
- sichtbare Kanten ja/nein
- Beleuchtungsart
- Blickrichtung (eine oder beide Seiten)
- Dekorart (Vollfläche, Raster, Logo, Streifen)
- Farbdefinition (RAL, NCS oder kundenspezifisch)
8. Ziel dieser Richtlinie
Die genannten Werte stellen realistische, technisch erreichbare Qualitätsstandards dar und sorgen für eine klare und faire Bewertung dekorierter ESG-Gläser.